Gedanken zur Modellbahn & meiner Leidenschaft

…ausgelöst durch Burkhard Spinnens Buch „Modell-Eisenbahn“ – Kleine Philosophie der Passionen…

Dank an Frank, unbedingt lesenswertes Buch, in dem der Autor seine Entwicklung durch die verschiedenen Stufen (und meist scheiternden Versuche) des Modelleisenbahner-Daseins beschreibt. Kommt mir in Teilen natürlich bekannt vor, denn als Spieleisenbahner hat wohl jeder mal angefangen: der berühmte Kasten von Märklin mit einer kleinen schwarzen Dampflok und zwei grünen Personenwagen – Kreisverkehr im Elternschlafzimmer, der nur spärlich mit der einen oder anderen Weiche ergänzt wurde.

Und heute? Zwei Zimmer sind mit Anlagen mehrstöckig gefüllt, Märklin ist nicht mehr dabei, weil u.a. mit der österreichischen Firma Roco ein Gleichstrom-Anbieter auf den Markt kam, der nicht nur wesentlich preiswerter, sondern vor allem optisch (vielleicht auch technisch) sehr ansprechend daher kam und überzeugte.

Merkwürdigerweise fand mein Wiedereinstieg in das Modelleisenbahn-Hobby mit dem Beginn des Lehrerdaseins 1980 in Aurich statt (ebenfalls das intensive Lesen von Wallander-Krimis u.a.). Entspannung, Abwechslung, Ruhe, Kreativität, Haptik als Hauptgründe. Weniger technisches Interesse, da hatte ich in meinem Freund und Kollegen ADU viel Hilfe.

Erster Lokkauf in einem Modellbahn-Geschäft in Oldenburg. War’s eine 44 oder eine 01, jedenfalls eine der typischen großen Schlepptender Loks. Sehr realistisch im Maßstab 1:87, technisch überzeugend und vor allem optisch ein absoluter Genuss, weil alle Details toll gestaltet waren und ich immer den Eindruck hatte, dass diese Roco-Loks realistischer waren als ihre großen Vorbilder. Mittlerweile hat BRAWA sowohl die 01 als auch die 44 auf den Markt gebracht, in der Analogversion an die 400 € und natürlich hinsichtlich der Details und der Technik noch mal wieder eine Weiterentwicklung, so dass keine Wünsche mehr offen bleiben, wenn man ehrfürchtig das Modell betrachtet …

Die großen Vorbilder gehören zum Hobby für mich unbedingt dazu. Diverse Besuche bei Museumsbahnen, in Lokschuppen und bei Dampflok-Auftritten in Emden (Dampflok-Sonderfahrten). Zum Glück steht vor dem Emder Bahnhof eine 44er, eine der lezten unter Dampf auf DB Gleisen (Oktober 1977), leider natürlich kalt. Unbedingter Bestandteil der Dampflok-Zuneigung neben den optischen Eindrücken: der Geruch nach Wasserdampf, Rauch und Öl und die Geräusche einer vor sich hinröchelnden Lok am Bahnsteig kur vor der Abfahrt mit den typischen Geräuschen des sich dann rhythmisch steigernden Dampfausstoßes und der Bewegung der Räder (bei der 01 beträgt der Durchmesser 2 m).

Wechselwirkung: Durch das Modell wird der Blick auf die reale Lok und alle Details geschärft – umgekehrt betrachte ich ein Modell anders und intensiver, wenn ich das Original gesehen habe.

Faszination im Angesicht einer bald 300 Jahre alten Technik, deren Effizienz im Prinzip nur aus Kohle, Feuer und Wasser besteht und die doch in den letzten Jahrhunderten weltweit eine Revolution im Verkehrswesen ermöglicht hat, ohne die sehr vieles kaum möglich gewesen wäre: Industrialisierung, Verstädterung, Mobilität bis ins fast letzte Dorf, Reisen – aber leider auch Kriegsführung.

Erweiterung von Basiskenntnissen durch Fachliteratur und Fachzeitschriften sowie TV-Sendungen (Eisenbahn-Romantik u.a.), denn die weltweite Geschichte der Eisenbahn ist vor allem Kultur-, Sozial- und Kolonialgeschichte (Cecil Rhodes hätte gerne eine durchgehende Bahnlinie von Kapstadt nach Kairo gebaut). Ohne chinesische Arbeiter gäbe es keinen Ost-West Schienenstrang in den USA (und keine Chinatowns in den Großstädten), in Indien wurden Uhren und Zeitangaben (nicht mehr: vor dem Sonnenaufgang, bei Sonnenuntergang) notwendigerweise für die Fahrpläne eingeführt und vieles mehr.

In den 1920er Jahren war die Deutsche Reichsbahn der größte Arbeitgeber im Lande, der aber nicht nur einen Arbeitsplatz in dem sehr breiten Spektrum vom kleinsten Arbeiter bis hin zu akademisch qualifizierten Beamten bot, sondern auch Werks- und Dienstwohnungen, Versicherungen, Schrebergärten in Gleisnähe und hinter Stellwerken, Blockstellen u.a.

Zwischenüberlegung: Eisenbahnen, wenngleich nicht mehr unter Dampf, bewegen Menschen und Waren auf nahezu allen Kontinenten, aber was bewegt mich, seit 45 Jahren Modellbahnanlagen zu bauen und Welten im Maßstab 1:87 zu gestalten? Kreativität fällt mir als erstes ein, das Umsetzen von Erlebtem und Gesehenen in ein Modellabbild von Wirklichkeit. Das betrifft Landschaften (Norddeutschland) ebenso wie Gebäude (Architektur von den 1870er Jahren bis in die 1950er) und Fahrzeuge (Autos, Gespanne, Traktoren).

Bahnhofs- und Fabrikgebäude im Klinkerstil sind mir wichtig: preußische Architektur mit Liebe zu Details und Ornamenten an den Gebäuden sowie viele ästhetische Gestaltungselemente an/um Fenster und Türen sowie Dächern und Schornsteinen statt glatter und seelenloser Betonarchitektur – der Mensch braucht Schönes und Ästhetik auch am Arbeitsplatz, dachte man früher offensichtlich, das schätze ich und will es entsprechend im Modell ebenfalls.

Gebäude zusammenkleben: nicht mehr nur aus Plastik, sondern mittlerweile auch aus Resin oder Lasercut (Architekturkarton, Holz u.a.), sie verändern und „supern“, also mit Patina versehen, ergrauten Klinkermauern und grauem Fugenmörtel gehört zum Streben nach realistischen Eindrücken, ebenso die Klinkerdominanz in norddeutscher Landschaft oder das Strohdach auf niedersächsischen Bauernhäusern (mit Sisal z.B.). Und dann die „Bevölkerung“ (Preiser & Co.): da gibt’s fast alles und das in den passenden Epochen, bei mir also 1950er/60er Jahre bzw. 1920er Jahre. Auch etliche selbst angemalte Personen auf den Anlagen bzw. passend gemachte durch kleine Veränderungen, gleiches gilt für Tiere, die ja bei den dörflichen Themen wichtig sind. Fahrzeuge natürlich passend zum gewählten Zeitabschnitt, wobei ggf. rote/gelbe Lichter nachgearbeitet werden und natürlich passende Kfz-Kennzeichen angebracht werden. Pularbeit mit feinsten Pinzetten oder Pinseln, aber all das (wie auch z. T.) Personen/Beleuchtung/Einrichtung in einzelnen Häusern sowie Straßenbelag und -laternen erzeugen eine realistische Stimmung. Und damit kann man sich stunden- und tagelang kreativ-konstruktiv beschäftigen, bis auch die letzte Weide, der Fabrikhof oder das BW-Gelände einen zufriedenstellend realistischen Eindruck (auf mich) machen. Manchmal sitze ich nur am Rand der Anlage, lasse nichts fahren, sondern betrachte nur – und siehe: wohlgefällig ruhet sein Auge auf dem so Erschaffenen. Idylle? Nö, nur ein Versuch, Lebenssituationen (und vor allem auch Arbeitssituationen) nachzubilden. Eigentlich kenne ich jede Personengruppe, denn sie stellt Erinnerungen an real Erlebtes nach bzw. setzt eine -woher auch immer stammende- Vorstellung davon um, erzählt mir Geschichten.

Ach ja, und natürlich die Züge, die sind doch eigentlich die Hauptobjekte des Hobbies (der Begierde)? Oder doch nicht, weil Gestaltung und Landschaftsbau doch so freudig besetzt sind? Gehören natürlich unbedingt dazu und folgen wieder den an der Realität orientierten Grundsätzen. Das gilt für namhafte D-Züge mit Kurswagen ebenso wie für lange Güterzüge. Auch bei denen muss meist Patina auf die Waggons gebracht werden, Bremshebel werden nachträglich mit roter Farbe versehen und die Personenwaggons erhalten Zuglaufschilder und werden nach Vorbild zusamengestellt, dadurch auch Kurswagen der SNCF, SBB, ÖBB, DSB u.a. Häufig motiviert durch Berichte über namhafte Züge in den Eisenbahnzeitschriften: dann geht’s nach oben und siehe da, so einen Zug habe ich doch, der könnte ja vielleicht mal mit anderen Wagen versehen werden – und schon geht der Spaß wieder los….

Bei den Gleisplänen vordringlicher Wunsch: lange Züge sollen fahren können und für längere Zeit sichtbar sein, so dass man sie mit erfreutem Auge verfolgen kann. Oft lasse ich sie auf der Strecke stehen, um in Ruhe Details zu betrachten und oft genug fällt mir dabei was Neues und Schönes auf, bevor die Garnitur wieder im Schattenbahnhof verschwindet. Bei der 1920er Anlage läuft dass dann im Bahnhof ab, wenn die Züge an den Bahnsteigen stehen bleiben, ggf. auch entstaubt werden oder mich zu kleinen Geschichten anregen, die ich dann gerne fotografiere und beschreibe.

==> https://anlagensoftware.blog/2024/12/19/23-dezember-1924/

Und was ist mit der Digitalisierung? Nö, lass man, ich will verstehen, was ich tue und was in meinen Dampfloks abläuft, auch wenn der ganze digitale Schnickschnack seinen Reiz hat mit diversen Licht- und Soundfunktionen – darauf würde ich mich vielleicht einlassen, wenn ich komplett neu mit einer Anlage beginnen würde, aber das ist nicht mehr mein Wunsch.

Mien Moder, dat Dörp und ick

1/x Hof Hagen 2: Endlich dreschen, der Lanz ist da!

Der Hof von Oma Rebekka und Opa Hinrich Hinck, Hagen 2, in den 30er Jahren. Wenn man Korn anbaut, vor allem Roggen, ist irgendwann Zeit für die Ernte und dann müssen alle mit anpacken. Gemäht und in Hocken auf dem Feld getrocknet ist….

2/x An der Deinster Mühle

Peter Bosselmann ist ganz froh, dass er mit den prall gefüllten Kornsäcken auf dem Ackerwagen sinnig gen Deinste zockeln kann. Die Zugpferde Alpka und Benno kennen den Weg hinten am Mühlenteich vorbei und durch die Feldmark…

3x Der neue Trecker wird abgeholt

Keine sechs Wochen nach der Besichtigung der Lanz-Ausstellung und der erfolgreichen Überredung von Opa Hinrich wird der neue Trecker mit der Bahn angeliefert. Wenige Tage vorher…

4/x Zuckerrüben verladen in Deinste

Herbstzeit ist Rübenzeit und heute fahren die beiden Knechte vom Hof Hagen 2, Peter Bosselmann und Fieten Stelling, mit dem Deutz und dem MAN-Trecker und jeweils zwei vollen Anhängern dahinter…

5/x Rin in de Kantüffels

Irgendwo auf der Hagener Geest: die Kartoffelernte ist in vollem Gange, heißt: etliche Menschen haben heftig was zu tun, um die Ernte in die Scheune zu bringen…

6/x Eine Kuh macht Muh, viele Tiere machen….

Ein Bauernhof ohne Tiere? Nicht vorstellbar…..

41 018 & Co.

Klasse, Kalle hat die 41 018 im EK-Buch „Traumberuf Dampflokheizer“ entdeckt mit dem Verweis auf ihren aktuellen Standort im Bahnpark Augsburg.

<c> Wikipedia

Dem Original steht meine Ex-41 018 als Modell um nichts nach, zumal seit sie bei Kalle eine neue Heimat gefunden hat.

Gut, dass ich auch noch zwei Schwestern-Maschinen im aktiven Anlageneinsatz habe…

Quelle: https://anlagensoftware.blog/2020/03/16/ep-iii-re-41-388-mit-kuhlwagenzug/

Quelle: https://anlagensoftware.blog/2020/03/16/ep-iii-re-41-095-ol-mit-eilguterzug/

Those were the days……

Völlig unschuldige Szene auf der Modellbahnanlage: Juni 1963, Staatsbesuch (offiziell Arbeitsbesuch) des jungen amerikanischen Präsidenten John F. Kennedy beim deutschen Bundeskanzler Konrad Adenauer, eigentlich noch ein Vertreter der wilhelminischen Zeiten und nicht mehr lange in seinem Amt. Höchstwahrscheinlich beide auf dem Weg zu einem Sonderzug-Salonwagen (in dem schon Goebbels saß), um aus der Provinz wieder nach Bonn zu gelangen. Der Jubel der Deutschen muss unbeschreiblich gewesen sein, wenn man den offiziellen Quellen folgt und sich den sehenswerten Wochenschau-Bericht ansieht, Kennedy-Rufe aus Hundertausenden Kehlen….

>> https://www.konrad-adenauer.de/politikfelder/seite/kennedy-besuch-in-west-berlin/

Und heute? Welch grausame Vorstellung, dass der Orangeman, dessen Namen ich nicht in den Mund nehmen möchte (Gruß an Axel Hacke) auf Kennedys Spuren in Berlin, Köln oder wo auch immer auftreten würde.

1963 war die Kuba-Krise vorbei und Deutschland ging’s recht gut, auch wenn das Adenauer Deutschland nicht gerade progressiv war, das änderte sich erst durch die -fast- Lichtgestalt des noch Berliner Bürgermeisters Willy Brandt, den man im Wochenschau Bericht sehr schön als Vorwegnahme eines anderen politischen Windes in Deutschland schon erahnen kann, auch gerade neben der amerikanischen Lichtgestalt Kennedy.

Das hat wohl auch was mit mir zu tun. Beim „Staatsbesuch“ 1963 war ich fast 11 Jahre alt und unmündiger, still leidender Schüler der Realschule Stade (mit 34 Jungen in einer Klasse). Dennoch schrieb ich 5 Monate später anlässlich des Attentats auf Kennedy auf die letzte Seite des Dierke-Weltatlanten: „“22. November 1963 Attentat auf John F. Kennedy in Dallas, Kennedy ist tot“.

Da muss doch etwas im Kopf des Unmündigen (bis zum Ende der Realschulzeit war ich eine Amöbe!) vorgegangen sein – und eine dezente amerikanische Prägung kann nicht verleugnet werden, schließlich war zu dem Zeitpunkt die älteste Schwester als Aupair für zwei Jahre in Bloomington/Indiana und zu Weihnachten gab’s einen Football-Spieler, der mich ebenso begeistert hat wie eine ebenfalls zu Weihnachten aus den USA erhaltene Armbanduhr mit silbernem Metallarmband, die sich durch die Armbewegungen automatisch aufzog, wow! Meine Schwester hatte sie im Swimming Pool gefunden….

Einige Jahre später, 1968, hatte sich die Realschule erledigt und der vermeintliche Ernst des Lebens begann, Lehre bei den Justizbehörden in Stade, toll, unter den Talaren war er noch vorhanden, der muffige Stillstand, jeder höhere Beamte musste mit seinem Titel angeredet werden („Guten Morgen, Herr Erster Oberstaatsanwalt“), der Amöben-Zustand endete durch Augen öffnende Lektüre von Grass‘ „Blechtrommel“, einem Newsweek-Abo und dem Kommentar zum Vietnam-Krieg auf der Schultertasche („Killing for peace is like fucking for virginity“). Man trug Bundeswehr Parka und die Schultertasche war ebenfalls eine militärische, wenngleich britische. So viel zum Thema „Immer diese Widersprüche“ (Danke, Rainald Grebe). Und glücklicherweise wurde unser Land liberaler durch die Große Koalition und die neu geschaffenen Möglichkeiten des zweiten Bildungsweges und des Bafögs, also Abendschule, Abi, Studium u.a. möglich. Da dachten wir noch, wir seien die erste Generation, die (trotz des Kalten Krieges) nur Friedenszeiten (zumindest in West-Europa) erleben darf/durften.

Zu Weihnachten 2025 sind die Gedanken schwärzer geworden – „the times they are a changin“ mit Gruß and Bob Dylan.

Aurich, 20. Dezember 2025

Weihnachten 1963 – noch im Amöbenzustand

2021: https://anlagensoftware.blog/2021/12/23/driving-home-for-christmas/

2024: Weihnachten vor 100 Jahren: https://anlagensoftware.blog/2024/12/19/23-dezember-1924/

IV K Nr. 176 Zittau

Lok eigentlich Radebeul: Technomodell Nr. 1460. Lokomotive IVK Nr. 176 der Traditionsbahn Radebeul

Zug: 6 vierachsige Personenwagen DR Ep. I/II + 1 Güterwagen

1 x Gepäckwagen Pw 4 [Hbf Köl?]

1 x K 1111 Dresden

1 x K 1129 Dresden

1 x K 1129 Dresden

1 x K 1111 Dresden

1 x hist. Oberlichtwagen/rötl. Holzfenster 285 k mit königl. Wappen

1 x kleiner gedeckter Güterwagen Dresden

https://de.wikipedia.org/wiki/Schmalspurbahn_Zittau%E2%80%93Kurort_Oybin

IV K 99 557 Prignitz

Als Sächsische IV K (sprich: vier K) bezeichneten die Königlich Sächsischen Staatseisenbahnen ab 1900 die vierachsigen Schmalspurdampflokomotiven der Bauart Günther-Meyer mit 750 mm Spurweite. Mit 96 Exemplaren handelt es sich bei der sächsischen IV K um die meistgebaute Schmalspur(dampf)lokomotive für eine Staatsbahn in Deutschland.

>>wikipedia

>> zum Lok-Modell von Bemo

Lok: BD Schwerin – BW Wittenberge

Zug: 6 Vierachser DR

1x Hilfsgerätewagen BW Abt Perleberg

2x Wagen Nr. 970-890 (2x) pmt Nr. 52501

1x Wagen Nr. 970-878 pmt Nr. 52502

1x Wagen Nre. 977 855 alt 10 Fenster mit Oberlicht

1x Gepäck-Wagen 974 324

Zugführerwagen ähnlich wie pmt Nr. 54413

Kleinbahnen der Kreise West- und Ostprignitz [wikipedia]

Geschichte des Pollo [Museums-Verein]

Prignitzer Kleinbahnmuseum Lindenberg e.V.

23. Dezember 1924

Ach, denken wir, was war das für eine schöne und ruhige Zeit früher: keine nervigen Weihnachtsmärkte, kein ewiges „Djingle Bells“-Gedudel und keine seichten und gefühlsquälenden Weihnachtsfilme mit sicherem Happy End auf allen Kanälen und bei den Streamingdiensten…

…aber das dürfte eine idyllisierende Verklärung sein, denn im Dezember 1924 lag der 1. Weltkrieg erst fünf Jahre zurück, die Arbeitszeiten bedeuteten, dass auch am Heiligen Abend bis mittags gearbeitet wurde. Positiv allerdings nach ausgestandener Inflation: „Durch den Dawes-Plan flossen nun Kredite nach Deutschland. Das bedeutete wirtschaftlichen Aufschwung (1.). Die Arbeitslosigkeit hatte zum Herbst hin deutlich abgenommen, die Löhne stiegen.“ Anders als heute gab’s sogar auf der politischen Bühne am 7. Dezember 1924 in Berlin Positives zu vermelden: „Die beruhigte innen- und außenpolitische Situation macht sich auch bei der Reichstagswahl bemerkbar. Die gemäßigten bürgerlichen Parteien und vor allem die SPD können einen deutlichen Stimmenzuwachs verzeichnen. Die radikalen Parteien verlieren deutlich an Stimmenanteilen.“

Schade, dass das schon 100 Jahre her ist….

Kein Wunder, dass die Menschen wieder reisten, um ihre Lieben zu besuchen: die Reichsbahn funktionierte blendend und Geld war auch wieder vorhanden, wenn auch nicht bei allen.

Also nicht erstaunlich, dass so viele gut gekleidete Damen und Herren die Bahnsteige unserer kleinen Bahnstation bevölkerten – mit Koffern, Kind und Kegel….

…wobei der Kegel bei diesen entzückenden Damen ein kleines, feines weißes Hündchen ist, der natürlich auch mit muss – erster Klasse übrigens, mit Sitzplatzanspruch, darauf haben Kunigunde und Klothilde bestanden!

Unruhig wartet der Bahnhofsvorsteher Josef G. auf den D-Zug, der noch schnell einige gut betuchte Geschäftsreisende zum Weihnachtsurlaub ins wärmere Italien befördern wird, Triest ist angesagt!

Und pünktlich rauscht der D-Zug mit vorgespannter bayerischer Lok auf Gleis eins ein, so dass unsere Passagiere sich schon bald in den Salonwagen begeben können.

Für die lange Fahrt wird die bayerische P 3/5 noch mit Wasser versorgt – bis die 18 Kubikmeter Wasser im Tender sind, dauert’s halt etwas länger. Unsere beiden grauen Reichsbahner lassen sich nicht unter Zeitdruck setzen – sie sind froh, diesen Beruf zu haben als Teil von fast einer Million Menschen, die die Reichsbahn in den 20ern beschäftigt.

Interessiert schaut der kleine Knut der fauchenden Lok auf ihrem Weg zum Wasserkran hinterher und hält sich sicherheitshalber an seinem Schaukelpferd fest, ohne das er nie auf Reisen geht.

Ob er auch mal zur Seite schaut und des Zeitungsjungen angesichtig wird, der das magere Einkommen seiner Familie mit dem Zeitungsverkauf aufstocken muss?

Heutige Schlagzeile der Berliner Börsen Zeitung „In Berlin wird die erste Funkausstellung von Reichspräsident Friedrich Ebert eröffnet“.

Von einem Besuch der Funkausstellung in Berlin können diese drei ehemaligen Lokschlosser nur träumen: selbst mit ihrem Anspruch auf ermäßigte Fahrkarten können sich die Reichsbahnrentner einen Aufenthalt in Berlin nicht leisten – und vom Hotel Adlon zu träumen bleibt nur das: ein Traum, den sich wenige andere verwirklichen können, zum Beispiel die Industriellenwitwe von Schieferstein, die sich von ihrem Chauffeur zum Bahnhof bringen lässt, wobei sich ihr Fahrer natürlich auch mit ihren vielen Koffern abschleppen muss.

Die Koffer werden gleich auf der Gepäckkarre verschwinden, so dass die Grande Dame sehr beschwingt in der Polsterklasse verschwinden kann.

Nicht ganz so gut geht es der Mutter des Zeitungsjungen. Der wurden gerade die Einkellerungskartoffeln geliefert, wobei es allerdings ein kleines Maleur gab, als die Pferde zu ruckartig weiterlaufen wollten, so dass ihr die Kartoffeln vor die Füße fielen. Da wird der Junge, wenn er seine Zeitungen auf dem Bahnsteig losgeworden ist, noch einiges an Arbeit vor sich haben – und das immer im dunklen, feuchten Keller des Arbeiterhauses neben dem Bahnhof, den er so sehr fürchtet.

Was seine Mutter noch nicht weiß: Der eingeplante Weihnachtsbraten ist gerade hinter ihr im Garten von Reineke Fuchs zum Essen eingeladen worden und Opas Lieblingsbeschäftigung, am Heiligen Abend stundenlang die Knochen der Gans abzuknabbern, kann in diesem Jahr leider auch nicht ausgeübt werden, seufz.

Kurz vor Abfahrt des D-Zuges nach Triest wird’s am Eingang zum Bahnsteig unruhig, denn der Oberreallehrer Knusenwang strauchelt beim Versuch, den Zug noch hurtig zu erreichen. Seine Gattin Hermine, vom Gemahl immer wieder mit Besuchen von Shakespeare-Stücken im lokalen Theater gequält, ruft ihm hämisch zu: „Those stumble that run fast!“. Das aber hört er vor lauter Aufregung (zum Glück) nicht.

Hoffen wir mal, dass alle Reisende ihre Ziele und Familien oder Urlaubsorte gut und pünktlich erreichen und sich keinem Stress aussetzen müssen.

Das wünschen wir uns doch einfach auch 100 Jahre später und nehmen uns diesen Herren auf einer Bahnhofsbank zum Vorbild, der sich durch nichts beirren lässt und stoisch im soeben erschienen Roman „Der Zauberberg“ von Thomas Mann liest…..

In diesem Sinne sei eine ruhige, entspannte und genussvolle Weihnachtszeit gewünscht – mit Zeit für Modellbahn & Modellbau.

Quellen:

https://www.weimarer-republik.net/themenportal/chronik-1918-bis-1933/1924/dezember-1924/

https://www.dhm.de/lemo/jahreschronik/1924

zu 1.)

Oberregierungsrat Schilling machte hierauf entsprechende Vorschläge.

Der Reichsarbeitsminister betonte, daß der Handwerker in Mitteldeutschland bei zehnstündiger Arbeitszeit etwa 4,70 Mark pro Tag verdiene. Dieser Betrag setze sich wie folgt zusammen: Stundenlohn 43 Pfg., Deputat 2 Pfg., für Frau und Kind 2 Pfg., ergibt: 47 Pfg. pro Stunde.

Der Eisenbahner erhalte etwa 4,59 Mark pro Tag bei geringerer Arbeitszeit. Ein Reparaturhauer an der Ruhr erhalte ebenfalls nur 4,70 Mark. Im Frieden hätten sich die Löhne der Eisenbahner durchweg unter dem Niveau der Privatindustrie bewegt. Nunmehr würden sie der Privatindustrie nicht nur angeglichen, sondern sie gingen sogar zum Teil darüber hinaus.

https://www.bundesarchiv.de/aktenreichskanzlei/1919-1933/0pa/ma1/ma11p/kap1_2/kap2_166/index.html

Die Brotpreise und Kosten des Lebensbedarfs in Berlin im Jahre 1924: https://www.degruyter.com/document/doi/10.1515/jbnst-1925-0108/pdf

Auf zu ebay…

Platz schaffen und ausmisten ist angesagt, ergibt ein freies Gleis im Schattenbahnhof, so dass die langen D-Zug-Garnituren umgestellt und besser aufgehoben sind….

Hoffentlich powert d. nicht zu hoch…., spannend, ist für 106 € weggegangen (d.105 €), das war knapp. Und in 15 Minuten kommen die Umbauwagen dran, da ist der jetzige Auktionsgewinner auch dicht dran, wäre ja pakettechnisch sehr praktisch.

Super, für 103 € weggegangen, d. bei 102, war auch knapp….

Und dann noch zwei kranke D-Zug-Wagen, die einen Wendeunfall/Runterfall nicht gut überstanden haben:

Na gut, 15,50 € – hätte etwas mehr sein können, aber immerhin besser so, als wenn sie kaum nutzbar rumstehen….

Und letztes Wochenende zwei recht alte Hechte für 4,50 €, das war schon frustrierend – da war das Porto ja höher als der Verkauspreis, nun ja.

Umfall: neue Einsicht

So, einen Tag später: mit ruhiger Hand das Geländestück mit Tante Metas Laden rausgenommen und siehe, da liegt der Übeltäter:

Ende gut, alles gut, aber das Geländestück bleibt noch weg, bis alle Probefahrten glimpflich abgelaufen sind…

Merke: mit längerer Stange im nicht einsehbaren Umfeld herumzufingern, erzeugt Kollateralschäden, seufz……